Der Weißstorch unser Wappenvogel


Der NABU hat den Weißstorch zum Vogel des Jahres 1994 gewählt; und zwar nun schon zum zweiten Mal nach 1984, denn sein Brutbestand nimmt immer weiter ab. Die Zahl der Brutpaare sank im Gebiet der heutigen Bundesrepublik Deutschland von mehr als 9.000 im Jahr 1934 auf gerade noch 3.266 Paare im Jahr 1992. Im Gebiet der alten Bundesländer reduzierte sich der Bestand in diesem Zeitraum von weniger als 60 Jahre um 85 %. Diese dramatische Entwicklung hält weiterhin an und läßt befürchten, daß Adebar etwa im Jahr 2000 aus Deutschland verschwunden sein könnte.

Auch in unserer Gemeinde hat es bis in die 30er Jahre besetzte Storchennester gegeben und zwar in Wollmar und Simtshausen. In Wetter wurde ein Nest zuletzt in 1952 besetzt und die letzte Brut im Landkreis Marburg-Biedenkopf fand 1968 in Kirchhain statt; seitdem kommt der Weißstorch in unserer Heimat nur noch gelegentlich als Durchzügler vor und auch dann hat er seine Mühe satt zu werden:

Der Grund für die dramatische Bestandsentwicklung liegt in der Zerstörung seiner Lebensgrundlagen. Seine Verbreitung in Mitteleuropa ist fast ausschließlich auf Flußniederungen begrenzt. Der Weißstorch hat langfristig nur noch dort eine Chance, wo es noch feuchte Wiesen und Weiden gibt, wo periodische Überschwemmungen stattfinden und staunasse Bereiche das ganze Jahr über existieren, und wo solche Flächen extensiv bewirtschaftet werden. Nur dort leben die Nahrungstiere des Weißstorchs noch in großer Vielzahl. Aber auch zahlreiche andere hochgradig gefährdete Tiere und Pflanzen sind auf diesen Lebensraum angewiesen, wie z.B. Kiebitz, Braunkehlchen, Frösche und Libellen.

Für die Erhaltung und Entwicklung solch eines wertvollen Lebensraumes in unserer Gemeinde hat sich unsere Ortsgruppe im vergangenen Jahr eingesetzt: Für die »Lehmkaute« bei Oberasphe wurde in Abstimmung mit der Gemeinde Münchhausen und der Unteren Naturschutzbehörde ein Pflege- und Entwicklungsplan aufgestellt und auf den Weg gebracht. Bei weiterer extensiver landwirtschaftlicher Nutzung, die für den Erhalt des Lebensraumes erforderlich ist, können auf den 2 ha Gemeindeland in Zukunft verschiedene Pflanzen und Tiere eine neue Heimat finden. So verließen bereits im letzten Sommer tausende junger Frösche die später austrocknenden Tümpel der feuchten Senke; und wenige Tage vor dem 9. Mai, an dem wir das Projekt den interessierten Mitbürgern vorgestellt haben, waren zwei Weißstörche in der Lehmkaute als Nahrungsgäste auf der Durchreise zu sehen. Eine schönere Anerkennung unserer Arbeit kann es gar nicht geben.

Norbert Wegener